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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Bienen können ihren Tagesablauf planen

    06.11.2006

    Bienen besuchen Blüten und sammeln dort Nektar und Pollen. Diese Aufgabe scheint einfach. Tatsächlich aber ist sie sehr kompliziert: Die Blüten sehen jeweils anders aus, stehen an unterschiedlichen Orten und produzieren den Nektar in unterschiedlichen Mengen – und das auch noch zu unterschiedlichen Tageszeiten. Um unter diesen Umständen einen Sammelausflug möglichst gewinnbringend gestalten zu können, wäre eine Vorausplanung des Arbeitsprogramms sinnvoll. Und in der Tat besitzen Honigbienen genau dafür das nötige Rüstzeug, wie Forscher aus Würzburg und Canberra herausgefunden haben.

    Eine Biene besucht eine Blüte.

    Nektar sammeln – das scheint eine einfache Aufgabe zu sein. Tatsächlich aber müssen Bienen dabei viele Dinge beachten. Foto aus: J. Tautz, H. R. Heilmann, „Phänomen Honigbiene“, Spektrum-Elsevier 2007

    Shaowu Zhang von der Australian National University in Canberra sowie Sebastian Schwarz, Mario Pahl und Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg haben erstmals nachgewiesen, dass Honigbienen rasch lernen, zur richtigen Zeit am rechten Ort das jeweils Richtige zu tun. Die Bienen sind somit prinzipiell dazu in der Lage, ein vorher festgelegtes Tagesprogramm abzuarbeiten.

    Wie sie zu dieser Erkenntnis gelangt sind, beschreiben die Wissenschaftler in der neuesten Ausgabe des „Journal of Experimental Biology“. Sammelbienen, die zwischen ihrem Nest und einer Futterstelle hin- und herflogen, bekamen an jedem der beiden Ziele zwei unterschiedlich gemusterte Zugänge angeboten. Einer davon führte zum Futter oder ins Nest, der andere dagegen endete in einer Sackgasse.

    In einem ersten Experiment wurde den Bienen an beiden Orten die gleiche Auswahlmöglichkeit angeboten, wobei die richtigen Zugänge jeweils identisch markiert waren. Allerdings wechselte das Muster, das zum ersehnten Ziel (Futter oder Nest) führte, vom Vormittag auf den Nachmittag. „Dabei lernten die Bienen sehr rasch, die Tageszeit mit dem jeweils Erfolg versprechenden Muster zu verbinden“, so Tautz.

    In einer weiteren Komplizierung des Testes bekamen die Bienen am Futterplatz und am Nesteingang die optische Kennzeichnung so dargeboten, dass das Muster, das am Nesteingang richtig war, am Futterplatz falsch war und umgekehrt. Auch hier lernten die Bienen schnell, sich darauf einzurichten. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wechselten auch bei dieser Versuchsanordnung „richtig“ und „falsch“ vom Vormittag auf den Nachmittag. Aber auch jetzt noch lernten die Bienen mit einer geringen Fehlerrate, an welchem Ort und zu welcher Zeit ein Muster richtig und an welchem Ort es falsch ist.

    „Das bedeutet, dass Honigbienen die Information über Ort, Zeit und den dazugehörigen Handlungsbedarf als Arbeitsprogramm abspeichern und entsprechend umsetzen können“, erklärt der Würzburger Bienenexperte. Ob Honigbienen auf der Grundlage dieser Fähigkeiten ihre Handlungen und den Ablauf eines Tagesprogramms tatsächlich auch planen, können die Forscher nicht sagen. Das Rüstzeug dafür besitzen die Insekten aber auf jeden Fall.

    Zhang, S., Schwarz, S., Pahl, M., Hong Zhu and J. Tautz: „Honeybee memory: A honeybee knows what to do and when“, Journal of Experimental Biology 2006: 209, Seiten 4420 – 4428, DOI 10.1242/jeb.02522

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Jürgen Tautz, T (0931) 888-4319, E-Mail:  tautz@biozentrum.uni-wuerzburg.de

    Von Robert Emmerich

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