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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Das Parfüm der Venusfliegenfalle

    18.02.2014

    Mit einem ganz speziellen Duft lockt die Venusfliegenfalle, eine fleischfressende Pflanze, ihre Opfer ins Verderben. Das hat ein Forschungsteam herausgefunden, in dem Würzburger Pflanzenwissenschaftler mitarbeiten.

    Die Fliege in der Falle: Sobald ein Insekt spezielle Sinneshaare auf der inneren Oberfläche der geöffneten Klappfalle berührt, schnappt diese zu. (Foto: Rainer Hedrich/Sönke Scherzer)

    Die Fliege in der Falle: Sobald ein Insekt spezielle Sinneshaare auf der inneren Oberfläche der geöffneten Klappfalle berührt, schnappt diese zu. (Foto: Rainer Hedrich/Sönke Scherzer)

    Charles Darwin fragte sich schon vor 140 Jahren, wie die fleischfressende Venusfliegenfalle Insekten anlockt. Ein Forschungsteam aus Freiburg, Würzburg, München und Riad (Saudi-Arabien) hat diesen Mechanismus jetzt geklärt und beschreibt ihn im „Journal of Experimental Botany“.

    Den Wissenschaftlern ist das mit Hilfe von Fruchtfliegen gelungen. Sie stellten die Insekten vor die Wahl, entweder einem Luftstrom mit Umgebungsluft zu folgen oder einem Luftstrom, den die Forscher vorher über eine Venusfliegenfalle geleitet hatten. Der zweite Luftstrom enthielt dadurch den Duft der fleischfressenden Pflanze.

    Nur hungrige Fliegen folgen dem Duft

    Fast alle Fliegen wählten den Luftstrom, der mit den Duftstoffen der Venusfliegenfalle angereichert war – allerdings nur, wenn sie ausgehungert waren. Satte Fliegen entschieden sich überwiegend dafür, überhaupt nicht loszufliegen.

    Daraus schließen die Wissenschaftler: Die Venusfliegenfalle gibt Duftstoffe in ihre Umgebung ab, die ihren Opfern den Geruch von Nahrung vorgaukeln. Chemische Analysen zeigten, dass die fleischfressende Pflanze ein Gemisch aus über 60 Duftstoffen freisetzt, das große Ähnlichkeit mit dem Bouquet von Früchten und Blüten hat.

    Venusfalle simuliert Geruch von Nahrung

    Die Venusfliegenfalle verströmt also ein Parfüm, das die wichtigsten Nahrungsquellen ihrer Beute simuliert, um diese in die tödliche Falle zu locken. Mit ihren zu Klappfallen umgebildeten Blättern schnappt die Pflanze dann zu: Berühren die Insekten spezielle Sinneshaare auf der inneren Oberfläche der geöffneten Klappfallen, werden elektrische Impulse ausgelöst und die Blätter klappen blitzschnell zusammen. Die Beute wird verdaut und dient der Pflanze als Zusatzernährung – Venusfliegenfallen wachsen an nährstoffarmen Standorten.

    Die Würzburger im Forschungsteam

    Diese Ergebnisse wurden unter Leitung der Freiburger Baumphysiologen Professor Heinz Rennenberg und Jürgen Kreuzwieser erarbeitet. Von der Universität Würzburg waren die Pflanzenwissenschaftler Professor Rainer Hedrich und Ines Kreuzer beteiligt. Im Team von Hedrich werden die Venusfliegenfalle und andere fleischfressende Pflanzen grundlegend erforscht. Dafür bekam der Würzburger Professor 2010 vom Europäischen Forschungsrat einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten ERC-Grant zugesprochen.

    (Quelle: Pressemitteilung der Universität Freiburg)

    J. Kreuzwieser, U. Scheerer, J. Kruse, T. Burzlaff, A. Honsel, S. Alfarraj, P. Georgiev, J.-P. Schnitzler, A. Ghirardo, I. Kreuzer, R. Hedrich, H. Rennenberg (2014): The Venus flytrap attracts insects by the release of volatile organic compounds. Journal of Experimental Botany 65(2): 755-66. doi: 10.1093/jxb/ert455

    Kontakt

    Prof. Dr. Rainer Hedrich, Lehrstuhl für Botanik I (Pflanzenphysiologie und Biophysik), Universität Würzburg, T (0931) 31-86100, hedrich@botanik.uni-wuerzburg.de

    Von Prof. Dr. Rainer Hedrich

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