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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Ein Nobelpreisträger zu Besuch

    18.01.2012

    Vor mehr als 40 Jahren hat Harald zur Hausen an der Universität Würzburg geforscht. Jetzt ist der Nobelpreisträger für Medizin ans Biozentrum gekommen. In seinem Vortrag sprach er über Infektionen als Verursacher von Krebserkrankungen – und über die richtige Zubereitung von Rindfleisch.

    Vor ziemlich genau 40 Jahren hat sich Harald zur Hausen (2.v.r.) in Würzburg habilitiert. Jetzt kam der Nobelpreisträger zum Vortrag ans Biozentrum. Organisiert haben die Veranstaltung die Professoren (v.l.) Utz Fischer, Manfred Gessler und Thomas Rudel.

    Liebhaber eines zart angebratenen Rinderhüft-Steaks sollten in Zukunft statt „rare“ oder „medium“ lieber die Variante „well done“ bestellen, wenn sie mal wieder ins Restaurant gehen. So lautet zumindest die Empfehlung von Harald zur Hausen. Warum, dazu später mehr.

    Harald zur Hausen ist einer der wenigen Wissenschaftler der „den ganzen Weg von der ersten Identifizierung eines Krankheitserregers bis zur Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegangen ist“, wie Professor Thomas Rudel bei der Vorstellung des prominenten Redners sagte. Zur Hausen war auf Einladung der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft Würzburg Physico-Medica an die Universität Würzburg gekommen. Im Rahmen des Biozentrum-Kolloquiums sprach er über Infektionen als Auslöser von Krebserkrankungen.

    Ein Virus als Auslöser von Krebs

    Im Jahr 2008 hat Harald zur Hausen den Nobelpreis für Medizin erhalten. Das Nobel-Komitee zeichnete damit seine Entdeckung aus, dass Gebärmutterhalskrebs durch eine Virusinfektion ausgelöst wird. Eine Entdeckung, deren Wurzeln bis nach Würzburg reichen: Von 1969 bis 1972 hatte zur Hausen am hiesigen Institut für Virologie der Universität Würzburg geforscht und an seiner Habilitation gearbeitet. Bereits in dieser Zeit wies er erstmals nach, dass in bestimmten Krebsgeschwulsten des Menschen das Erbgut des Epstein-Barr-Virus vorkommt.

    Knapp zehn Jahre später, 1983, entdeckte zur Hausen die Verantwortlichen für den Gebärmutterhalskrebs, die so genannten Humanen Papilloma-Viren. Inzwischen ist ein Impfstoff auf dem Markt der den geimpften Frauen einen „nahezu 100-prozentigen Schutz bietet“, wie der Wissenschaftler in seinem Vortrag sagte – vorausgesetzt, sie hatten nicht schon vor der Impfung Kontakt zu diesen Viren. Seit 2007 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Impfkosten für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren.

    Mit diesem Teil seiner Forschung beschäftigte sich zur Hausen in seinem Vortrag im Biozentrum allerdings nur am Rande. Er zog es vor, eine Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung zu der Frage zu geben: „Welche weiteren Krebsarten werden ebenfalls von Infektionen ausgelöst, von denen man es heute noch nicht weiß?“ Und das ist der Punkt, an dem das Rindfleisch ins Spiel kommt.

    Wie Rindfleisch und Darmkrebs zusammenhängen

    Dass zwischen dem Verzehr von so genanntem „roten Fleisch“ – in erster Linie also Rindfleisch – und dem Auftreten von Darmkrebs ein enger Zusammenhang besteht, haben Untersuchungen weltweit gezeigt. Während Länder wie beispielsweise Indien, wo Rindfleisch so gut wie nie auf dem Teller landet, vergleichsweise niedrige Darmkrebsraten aufweisen, liegt die Heimat der Burger- und Steakesser USA in dieser Kategorie weit oben. Und in Ländern, die ihre Ernährungsgewohnheiten vor einigen Jahrzehnten dem Westen anpassten, wie beispielsweise Japan und Korea, steigen die Krebsraten mit der entsprechenden zeitlichen Verzögerung dramatisch an.

    Was aber macht das Rindfleisch für den menschlichen Esser so gefährlich? „Lange Zeit standen chemische Verbindungen als Auslöser im Verdacht, die beim Grillen, Braten, Räuchern oder Frittieren entstehen“, sagte zur Hausen. Dagegen spricht jedoch die Tatsache, dass auch Fisch und Geflügel gerne gegrillt oder gebraten verzehrt werden – ohne dass sich deshalb ein Zusammenhang mit der Häufigkeit von Darmkrebs erkennen lässt. „Nicht Schwein, nicht Ziege, nicht Schaf – ja nicht einmal der Verzehr von Yak-Fleisch in der Mongolei erhöhen das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken“, sagte zur Hausen. Sein Schluss lautete deshalb: „Es gibt einen speziellen ‚Rind-Faktor‘ für Darmkrebs“.

    Eine bestimmte Variante eines Polyomavirus hält zur Hausen für die wahrscheinlichste Erklärung. Die könne im menschlichen Darm eine latente Infektion hervorrufen und somit mit einer Verzögerung von Jahrzehnten den gefährlichen Krebs verursachen. Das Virus könnte auch erklären, wieso Metzger und Arbeiter in Schlachthäuser gehäuft von Krebsarten im Mund- und Rachenraum betroffen sind. „Anscheinend gibt es einen Übertragungsweg durch die Luft“, so der Wissenschaftler.

    Ein Kriterium muss das Virus im Rindfleisch allerdings erfüllen, damit es dem Menschen gefährlich werden kann: „Es muss hitzebeständig sein, damit es die Behandlung in der Pfanne oder im Ofen übersteht.“ Tatsächlich gibt es Virenarten, die Temperaturen von 40 bis 50 Grad Celsius schadlos überstehen. Und das sind Temperaturen, die im Inneren eines noch leicht blutigen Roastbeefs selten erreicht werden. Deshalb lautete zur Hausens Ratschlag an seine Zuhörer: „Wenn schon Rindfleisch, dann bitte nicht rare oder medium, sondern lieber well done“.

    Großes Interesse an dem Nobelpreisträger

    199 Sitzplätze hat der Hörsaal, in dem Harald zur Hausen seinen Vortrag hielt. Die reichten allerdings bei weitem nicht aus für den Ansturm der Interessenten. Selbst eilig herbeigeholte Laborstühle konnten den Bedarf nicht decken, weshalb viele der Zuhörer auf der Treppe sitzen oder am Rande stehen mussten. Ein Ansturm, der auch den Nobelpreisträger überraschte.

    Übrigens: Der Besuch in Würzburg wecke bei ihm „nostalgische Gefühle“, gestand zur Hausen zu Beginn seines Vortrags. An seine Würzburger Zeit habe er jede Menge schöne Erinnerungen. Was auch damit zusammenhängen könne, dass die Medizinische Fakultät damals seiner Habilitation „wenn ich mich richtig erinnere, mit einer Stimme Mehrheit zugestimmt hat.“

    Von einBlick

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