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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Heilpflanzen – wunderbar gemalt

    06.05.2010

    Die Knospe der Pfingstrose, als wäre sie soeben aufgeplatzt. Wunderbar gezeichnet sind auch der Muskatellersalbei und die Königskerze: In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Klostermedizin zeigt der Botanische Garten Pflanzenabbildungen aus dem 15. Jahrhundert aus dem gemalten Herbarium von Vitus Auslasser. Die Ausstellung im Foyer wird am 12. Mai um 19 Uhr mit einem Vortrag von Johannes Mayer zur Darstellung und Anwendung der Pflanzen der Klostermedizin eröffnet. Bis 13. Juni ist sie täglich von 8 bis 18 Uhr zu besuchen. Eintritt frei.

    Am aufrechten Stängel, den ganzrandigen Blättern und dem reichblühenden Blütenstand gut zu erkennen: Das Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) mit seiner antibakteriellen, entzündungshemmenden und stimmungsaufhellenden Wirkung zählt heute

    Am aufrechten Stängel, den ganzrandigen Blättern und dem reichblühenden Blütenstand gut zu erkennen: Das Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) mit seiner antibakteriellen, entzündungshemmenden und stimmungsaufhellenden Wirkung zählt heute zu den am besten untersuchten Heilpflanzen.

    Das Herbarium, das der Benediktinermönch Vitus Auslasser 1497 in Kloster Ebersberg vollendet hat, umfasst insgesamt 198 Pflanzenbilder. Die besten davon – insgesamt rund 50 – werden im Botanischen Garten als Drucke gezeigt. Beim Betrachten der Bilder lernen die Besucher nicht nur die einzelnen Pflanzen gut kennen. Sie werden auch in ihre historischen und aktuellen medizinischen Anwendungen eingeführt.

    Rundgang durch die Ausstellung

    So zeigt die Ausstellung in einem ersten Teil Schlüsselblumen, Baldrian, Herbstzeitlose und andere Gewächse, die heute noch in der Kräuterheilkunde verwendet werden. Ein zweiter beschäftigt sich mit Arzneipflanzen, die im Mittelalter bedeutend waren, heute jedoch keine Rolle mehr spielen. Sodann werden Pflanzen vorgestellt, deren Wirkung aus der sogenannten Signaturenlehre abgeleitet wurde. In dieser galten äußere Merkmale als Hinweis auf die Indikation. Beim Leberblümchen mit seinen leberförmigen Blättern wurde zum Beispiel angenommen, es sei gut für die Leber. Nicht zuletzt folgen Kräuter wie stinkender Storchschnabel, gewöhnliches Leinkraut, guter Heinrich oder Wiesen-Sauerampfer, die nicht nur in der Medizin, sondern auch in Haushalt und Handwerk eine Rolle spielen. Schließlich werden die schönsten Blüten aus dem Werk Auslassers gezeigt.

    Künstler und botanisch interessierter Mensch

    Für Dr. Johannes Mayer von der Forschungsgruppe Klostermedizin war Vitus Auslasser „in erster Linie ein Künstler und botanisch interessierter Mensch“. „Die Lust am Malen rangierte mit Sicherheit vor dem medizinischen Interesse.“ Das schließt Mayer vor allem daraus, dass der Benediktinermönch auch Pflanzen gezeichnet hat, für die keine historische Verwendung in der Medizin bekannt ist. Dabei findet Mayer sehr beeindruckend, dass es Auslasser meistens gelungen sei, den Charakter einer Pflanze zu treffen – auch wenn er nicht ins Detail gehe. Oder wenn das Detail nicht stimme: Zum Beispiel stellt Auslasser die Glockenblume stets mit sechs Blütenblättern, obwohl sie in der Natur immer nur fünf hat.

    Gleichwohl bemühe sich der Benediktinermönch darum, die realen Merkmale der Pflanzenart ins Bild zu bringen. Er versuche auch, dreidimensional zu zeichnen und gebe sich Mühe, den richtigen Farbton zu treffen. Entsprechend markierten seine Zeichnungen auch den Übergang von der symbolischen Darstellung des Mittelalters zu den naturnahen Pflanzenbildern der Renaissance.

    Die botanische Zeichnung in der Kräuterheilkunde

    Die botanische Zeichnung spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. Sie kann die besonderen Merkmale eines Gewächses gut herausstellen, darunter auch das Wurzelwerk. In der medizinisch-pharmazeutischen Literatur in Europa gibt es - wie Johannes Mayer erklärt - um 100 vor Christus die ersten Pflanzenabbildungen, zum Beispiel die Darstellungen zum Kräuterbuch des Krateuas, Leibarzt des Königs Mithridates IV. . Ihren Höhepunkt erreichten sie mit der „Materia medica“ des Pendakios Dioskurides. Dabei zeigten die erhaltenen Exemplare aus der Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert beeindruckende naturnahe Abbildungen.

    Doch bereits in der Spätantike kam es zunehmend zu zeichenhaften Bildern, welche die Signatur, also die Wirkung der Pflanze, auszudrücken versuchten. Diesen Typus übernimmt das hohe Mittelalter im 12./13. Jahrhundert, nachdem das frühe Mittelalter kaum illustrierte medizinische Handschriften hinterlassen hat. Die Renaissance findet im Verlauf des 15. Jahrhunderts zur naturnahen Darstellung der Antike zurück, die schließlich in die ersten von der Wissenschaft der Botanik geprägten Demonstrationszeichnungen des 16. Jahrhunderts mündet – eine Entwicklung, die in den ganz genauen Abbildungen von Leonhart Fuchs ihren Abschluss gefunden hat.

    Dokumentation des Herbariums von Vitus Auslasser

    Die Bearbeitung des Herbariums von Vitus Auslasser bildet den aktuellen Schwerpunkt der Arbeit der Forschungsgruppe Klostermedizin. Dazu werden die Bilder genau beschrieben, die Anwendung in der Kräutermedizin früherer Zeiten wird ebenso dokumentiert wie die Bedeutung der Pflanze heute. Dabei sind die botanischen Zeichnungen insbesondere auch hilfreich, um Unterarten einer Pflanze zu identifizieren und die Unterschiede in der Anwendung, die sich daraus ergeben.

    Forschungsgruppe Klostermedizin

    Die Forschungsgruppe ist eine Ausgründung aus dem Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg. Der Sprecher der Gruppe, der Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, ist auch in die Lehre eingebunden und betreut Doktorarbeiten in der Pharmazie und in der Medizin. Finanziert wird die Forschungsgruppe zum größten Teil durch die Abtei Pharma Vertriebs GmbH, ein Pharmaunternehmen, das das medizinische Klosterwissen seit mehr als 100 Jahren zur Herstellung moderner Arzneimittel nutzt.

    Um den Arzneipflanzenschatz der Klostermedizin, die auch als traditionelle europäische Medizin verstanden werden kann, möglichst komplett zu dokumentieren, versuchen die Wissenschaftler alle Kräuter- und Arzneihandbücher von der Spätantike (circa 60 nach Christus) bis ins 16. Jahrhundert zu erfassen und zu analysieren. Dazu arbeiten sie die für die Pflanzen damals üblichen Indikationen und Anwendungen heraus und vergleichen diese mit dem heutigen modernen Stand der Forschung. Gelegentlich ergeben sich darüber auch neue Anwendungen für längst bekannte Arzneikräuter.

    Kontakt: Dr. Johannes Gottfried Mayer, T (0931) 83264, E-Mail: johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de

    Links:

    Botanischer Garten

    Forschungsgruppe Klostermedizin

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    Von aus UNI Intern Nr. 17 4.5.2010

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