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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Klimawandel gefährdet Wildbienen im Hochgebirge

    29.08.2012

    Wenn der Klimawandel weiter voranschreitet, dürfte er viele Wildbienen im Hochgebirge und in kühleren Regionen der Erde gefährden – mit nicht absehbaren Folgen für den Artenreichtum dort. Das schließen Wissenschaftler vom Biozentrum der Uni Würzburg aus ihrer Forschungsarbeit.

    Eine Berglandhummel (Bombus monticola) im Nationalpark Berchtesgaden auf einer Kleeblüte. Foto: Bernhard Hoiß

    Eine Berglandhummel (Bombus monticola) im Nationalpark Berchtesgaden auf einer Kleeblüte. Foto: Bernhard Hoiß

    Gletscher schmelzen, Dauerfrostböden tauen auf: Die Klimaerwärmung zeigt sich auch in den Hochgebirgen. Und natürlich werden sich die höheren Temperaturen dort auch auf Tiere und Pflanzen auswirken – zum Beispiel auf Wildbienen, die wichtigsten Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen.

    Wie beeinflussen unterschiedliche klimatische Bedingungen die Artenvielfalt der Wildbienen? Welche Eigenschaften dieser Bienen sind für ihr Überleben unter anderen klimatischen Verhältnissen wichtig? Das haben die Würzburger Biologen Bernhard Hoiß, Jochen Krauss und Ingolf Steffan-Dewenter im Nationalpark Berchtesgaden untersucht. „Der Nationalpark ist dafür hervorragend geeignet, weil es dort auf engem Raum große Höhen- und damit große Klimaunterschiede gibt“, erklärt Hoiß.

    Wildbienen im Nationalpark Berchtesgaden

    In 600 bis 2000 Metern Höhe haben die Würzburger Forscher im Nationalpark Berchtesgaden insgesamt 87 Arten von Wildbienen nachgewiesen. Allein 19 davon gehören zu den Hummeln. Der Artenreichtum und die Zahl der Individuen sind auf den niedriger gelegenen, warmen Flächen ungefähr zwei bis drei Mal größer als auf den Wiesen weiter oben.

    Folgende Eigenschaften treten gehäuft in den Artengemeinschaften auf, die unter kälteren Bedingungen leben: die Organisation in sozialen Insektenstaaten, der Bau unterirdischer Nester, größere Körper und eine größere Höhenverbreitung. Der Großteil der Arten in höheren Lagen hat nur ein kleines Verbreitungsgebiet und ist an alpine und kühle Lebensräume angepasst.

    Konkurrenzkraft sinkt mit steigender Höhe

    Diese evolutionären Anpassungen an widrige klimatische Bedingungen im Gebirge gehen auf Kosten der Konkurrenzstärke. Das heißt: Sollten weniger kältetolerante Arten mit ähnlichen Ansprüchen in den Lebensraum der „Hochgebirgsspezialisten“ vordringen, wären diese im Nachteil – etwa weil ihre Blüten nun auch von anderen Bienen als Nahrungsquelle genutzt werden.

    „Diese reduzierte Konkurrenzkraft könnte den Spezialisten zum Verhängnis werden, wenn mit einem wärmer werdenden Klima die dominanteren, wärmeliebenden Arten die alpinen Lebensräume erobern“, sagt Bernhard Hoiß. Dadurch sei das Überleben der spezialisierten Wildbienen in den hohen Lagen der Alpen gefährdet. Und für Regionen in hohen Breitengraden sei derselbe Effekt zu erwarten, zum Beispiel in Nordskandinavien.

    Auswirkungen auf die Pflanzenwelt beschreiben

    Wie wird sich der prognostizierte Schwund der Wildbienen auf die Bestäubung und damit auf die artenreichen Pflanzen-Lebensgemeinschaften in den entsprechenden Regionen auswirken? Diese Frage wollen die Würzburger Biologen als nächstes angehen. Erste Experimente dazu haben sie im Nationalpark Berchtesgaden schon gemacht.

    Diese Ergebnisse wurden im Forschungsprojekt FORKAST erarbeitet. Es wird vom bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Rahmen des „Klimaprogramms Bayern 2020“ gefördert.

    „Altitude acts as an environmental filter on phylogenetic composition, traits and diversity in bee communities”, Bernhard Hoiss, Jochen Krauss, Simon G. Potts, Stuart Roberts, and Ingolf Steffan-Dewenter, Proc. R. Soc. B (2012), online publiziert am 29. August, doi:10.1098/rspb.2012.1581

    Kontakt

    Bernhard Hoiß, Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie), Biozentrum der Universität Würzburg, T (0931) 31-82394, bernhard.hoiss@uni-wuerzburg.de

    Von Robert Emmerich / Bernhard Hoiß

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