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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Neuer Ansatz zur Erklärung des Bienensterbens

    02.09.2015

    Massive Sonnenwinde können Auswirkungen auf Sammelbienen haben. Dies ist ein neuer Erklärungsansatz für das weltweite Bienensterben, den eine deutsch-amerikanische Forschergruppe gefunden hat.

    Reagieren Bienen wetterfühlig auf Sonnenstürme? Werden Flugbienen von Sonnenstürmen überrascht, könnte ihr Orientierungssinn gestört werden und ihren Heimflug in das Bienennest zum Problem werden lassen. Ob Sonnenstürme sogar auch das Bienenvolk im Innern des Nestes beeinflussen, wurde bisher nicht untersucht. (Foto: Helga R. Heilmann)

    In Ländern wie der USA, der Schweiz, Kanada, Österreich, Deutschland, Spanien, Polen und Neuseeland verschwinden seit Jahren Honigbienen ohne erkennbare Krankheiten oder Parasiten. Die Sammlerinnen, also die erwachsenen Honigbienen, gehen verloren, worauf die Königin mitsamt der Brut im Bienenstock zugrunde gehen kann. Es gibt immer wieder neue Erklärungsversuche für dieses Phänomen, das die Bezeichnung CCD-Phänomen (Colony Collapse Disorder) bekommen hat.

    Für CCD werden die unterschiedlichsten Auslöser verantwortlich gemacht, wie Pathogene, Parasiten und die Agro-Chemie. Anhand einer Analyse der Messungen der "Honeybee Online Studies" (Hobos) an der Universität Würzburg wurde die Reihe der vermuteten Ursachen jetzt um eine erweitert. Die Messdaten zeigen, dass Verluste unter den Sammelbienen auch durch starke Sonnenwinde verursacht werden.

    Verbindung von Hobos-Daten mit Daten zur Sonnenaktivität

    Ein US-amerikanisch-deutsches Forscherteam hat die Hobos-Datenbasis analysiert, die unter anderem die Ein- und Ausflugaktivität eines Bienenvolkes im Minutentakt festhält, und dabei als Grund für eine verminderte Rückkehr der Sammelbienen eine Ursache ausgemacht, die außerhalb der Erde liegt. Das Zusammenführen der Hobos-Flugdaten mit ebenfalls dem Internet entnommenen Satellitendaten über Stürme auf der Sonne, den sogenannten Sonnenwinden, haben Erstaunliches gezeigt: An Tagen hoher Sonnwindaktivität und an den Tagen danach gehen signifikant mehr Sammelbienen im Feld verloren als an anderen Tagen. Die Idee, die Sonnenwind-Daten mit den HOBOS-Daten zu verbinden, stammt von dem amerikanischen Biologen Tom Ferrari.

    Der Sonnenwind ist ein energiereicher Teilchenstrom, der ständig von der Sonne in alle Richtungen abströmt. Er besteht hauptsächlich aus Protonen und Elektronen. Von der Sonne gelangt der Strom mit einer Geschwindigkeit von ca. 150 bis 300 km/s zur Erde. Das Magnetfeld der Erde hält den Teilchenschauer zum größten Teil von der Erde ab. Nur wenn der Sonnenwind besonders stark ist, können die Teilchen das irdische Magnetfeld verformen, in die hohen Schichten der Erdatmosphäre eindringen und dort Polarlichter hervorrufen.

    Hobos ist eine kostenlos nutzbare Forschungsplattform für jedermann im Internet. Über verschiedene Kameras und Sensoren wird rund um die Uhr das Verhalten von zwei echten Honigbienenvölkern in Würzburg und Bad Schwartau aufgezeichnet. Alle Videos und Messwerte sind live und gespeichert abrufbar unter www.hobos.de. Zudem lassen sie sich für gewünschte Messzeiträume miteinander in Beziehung setzen, um das eigene Wissen zu erweitern.

    Beeinflussung durch Magnetfelder nicht neu

    "Dass Bienentänze durch Magnetfelder beeinflusst werden, haben schon Karl von Frisch und Martin Lindauer gewusst", so Bienenexperte Tautz, der Gründer der Hobos-Forschung an der Uni Würzburg. Erwachsene Honigbienen nehmen magnetische Felder wahr und orientieren sich an ihnen. Wenn das Erdmagnetfeld verändert wird, wird gleichzeitig die Heimkehr-Fähigkeit der Honigbienen gestört, so dass sie nicht mehr zurück zu ihrem Bienenstock finden können.

    Es ist nicht auszuschließen, dass bestimmte Fälle der schweren Bienenverluste, wie sie in den letzten hundert Jahren registriert worden sind, durch derartige Störungen der Magnetosphäre verursacht wurden. Ein ähnliches Phänomen wurde auch schon bei Walen beobachtet. Wenn sich das Erdmagnetfeld durch verstärkte Stürme auf der Sonne ändert, stranden Wale, da sie sich nicht mehr orientieren können.

    Das Verschwinden  der Bienen also kein neues Phänomen?

    Professor Tautz sagt zur neuen Studie: "Ein mysteriöses Verschwinden großer Anzahlen an Sammelbienen wird seit mehr als 100 Jahren immer wieder einmal gemeldet. Falls Sonnenwinde auf Bienenkolonien erkennbare Wirkung haben, wie nach der hier angesprochenen Arbeit vorgeschlagen, muss das CCD-Phänomen aufgetreten sein, seit es Honigbienen gibt."

    Der Experte ergänzt: "Möglicherweise kommt es aber erst in Kombination mit anderen, menschgemachten, Stressoren, denen die Bienen heute ausgesetzt sind, zu den massiven Bienenverlusten. Sicherlich können nicht alle Fälle von CCD mit einer Ursache erklärt werden, die alle derartigen Fälle abdeckt."

    Tautz regt an, den Einfluss der Sonnenwinde weiter zu untersuchen: "Wahrscheinlicher ist, dass räumlich und zeitlich unterschiedliche Faktoren am Ende das spurlose Verschwinden großer Anzahlen an Sammelbienen als den gleichen sichtbaren Effekt hervorrufen. Wie groß die Rolle ist, die dabei massive Sonnenwinde spielen, wird in künftigen Forschungen zu klären sein."

    Kristina Vonend 

    Ferrari TE, Tautz J (2015): " Severe Honey Bee (Apis mellifera) Losses Correlate with Geomagnetic and Proton Disturbances in Earth's Atmosphere." Astrobiol Outreach 2015, 3:3, doi:10.4172/2332-2519.1000134

    Von Kristina Vonend

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