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    Biozentrum der Universität Würzburg

    Verdienstmedaillen in Gold

    29.05.2014

    Für ihre außergewöhnlichen Leistungen haben sechs Persönlichkeiten beim Stiftungsfest 2014 die Verdienstmedaillen „Bene Merenti“ in Gold erhalten: Eva-Bettina Bröcker, Ulrich Heber, Heinrich Hettrich, Otto L. Lange, Karl Eduard Linsenmair und Hans Konrad Müller-Hermelink.

    Eva-Bettina Bröcker, 1946 in Bielefeld geboren, studierte Medizin an den Universitäten Kiel und Leeds (Großbritannien). 1971 legte sie in Kiel ihr Staatsexamen ab, es folgten die Promotion und die Approbation als Ärztin. An der Universitäts-Hautklinik Münster schloss sie 1982 ihre Ausbildung zur Ärztin für Dermatologie und Venerologie ab. Zwei Jahre später habilitierte sich Eva-Bettina Bröcker für das Fach Dermatologie und Venerologie, 1986 wurde sie zur Professorin auf Zeit (C2) in Münster ernannt, wo sie die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ erwarb.

    1991 folgte Eva-Bettina Bröcker dem Ruf auf die C4-Professur für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universität Würzburg. Ein knappes Jahr darauf wurde sie zur Direktorin der Universitäts-Hautklinik ernannt, ein Amt, das sie bis zu ihrer Emeritierung 2011 innehatte. Hier forschte sie schwerpunktmäßig über Melanome und deren Behandlung.

    Es ist ganz wesentlich ihr zu verdanken, dass mit dem 2010 zertifizierten Hautkrebszentrum und dessen Einbettung in das Comprehensive Cancer Center Mainfranken wichtige Weichen gestellt werden konnten. Von 2004 bis 2010 war Bröcker Sprecherin der DFG-geförderten Klinischen Forschergruppe „Tumormikromilieu“, 1998 bis 2011 gehörte sie dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung der Universität Würzburg an.

    Für ihre herausragenden Leistungen wurde die Medizinerin vielfach geehrt: 1994 wurde sie Mitglied der Wilhelm-Sander-Stiftung, 2001 wurde sie in die mathematisch- naturwissenschaftliche Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt, ein Jahr darauf in die Nationale Akademie der Naturforscher Leopoldina. Außerdem war sie unter anderem Mitglied der Bayerischen Forschungsstiftung, im wissenschaftlich-technischen Beirat der Bayerischen Staatsregierung, in der DFG, der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und im Medizinausschuss des Wissenschaftsrats.

    Seit 2011 ist Bröcker im Universitätsrat Schleswig-Holstein. Eva-Bettina Bröcker erhielt bislang die Johannes-Fabry-Medaille und das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Auszeichnung „Pro Meritis Scientiae et Litterarum“ des damaligen Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den Bayerischen Maximiliansorden, die Braun-Falco-Medaille und die Verfassungsmedaille.



    Prof. Dr. Ulrich Heber

    Ulrich Heber wurde 1930 in Freital in Sachsen geboren. 1945 wurde das Dresdener Gymnasium zerstört, das er bis dahin besucht hatte. Darum absolvierte er nach dem Krieg zunächst eine landwirtschaftliche Lehre und holte 1949 das Abitur nach.

    Nach der Übersiedlung nach Westdeutschland studierte er ab 1950 Chemie an der Technischen Hochschule Aachen. Er schloss das Studium 1955 mit dem Diplom ab und promovierte 1958 an der Universität Bonn. Dort habilitierte er sich 1962 auch, nachdem er ein Jahr zuvor als NATO Fellow beim Nobelpreisträger Melvin Calvin an der University of Berkeley in den USA geforscht hatte. Danach war Heber Professor am Institut für Botanik der Universität Düsseldorf und Gastprofessor an Universitäten in den USA, Australien, Russland und Japan. 1979 wurde er Professor am Julius-von-Sachs-Institut der Universität Würzburg.

    Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Physiologie und Biochemie von Stress-Schäden und Stressanpassung, Bioenergetik, die Regulation der Photosynthese, intrazellulärer Transport und biochemische Mutantenanalyse.

    Heber war von 1981 bis 1983 Dekan der Fakultät für Biologie, außerdem Mitbegründer und treibende Kraft der DFG-Forschergruppe „Ökophysiologie“, die sich acht Jahre lang unter anderem mit der photosynthetischen Stoffproduktion von Wild- und Kulturpflanzen beschäftigte. Aus dieser Gruppe ging 1989 der DFG-Sonderforschungsbereich „Ökologie, Physiologie und Biochemie pflanzlicher Leistung unter Stress“ hervor, den Heber mehrere Jahre lang leitete.

    Heber gehört zu den Pionieren der Ökosystemforschung und war auf diesem Gebiet immer wieder weltweit als Gastprofessor tätig, sei es in Russland, Japan, Frankreich, Estland oder England. Auch durch diese hervorragende Vernetzung hat er sich sehr um die Universität verdient gemacht.

    Viele Ehrungen wurden ihm zuteil. 1986 erhielt er den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der DFG, 1990 wurde er zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. Heber ist unter anderem Ehrenmitglied der Russischen Gesellschaft für Pflanzenphysiologie und Elected Fellow der World Innovation Foundation; er hat den Lifetime Achievement Award der Internationalen Gesellschaft für Photosyntheseforschung erhalten und zählt seit 2002 zu den „ISI Highly Cited Researchers“.



    Prof. Dr. Heinrich Hettrich

    1947 in Scheidt/Saar (jetzt Saarbrücken) geboren, legte Heinrich Hettrich 1966 in St. Ingbert/Saar das Abitur ab. Anschließend studierte er Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft, Klassische Philologie, Indo-Iranistik und Ältere Germanistik an der Universität des Saarlandes und der Universität Gießen. 1971 erwarb er den Magister Artium an der Universität des Saarlandes, wo er drei Jahre später auch promovierte. 1984 habilitierte er sich für das Fach Indogermanische Sprachwissenschaft.

    Nach Lehrtätigkeiten an den Universitäten Salzburg und Zürich sowie der Vertretung einer C4-Professur für Vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Marburg übernahm Hettrich 1989 den Lehrstuhl für Vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Würzburg. Ein Jahr zuvor war ihm der Akademie-Preis der philosophisch-historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen verliehen worden; 1992 wurde er bei dieser Akademie Mitglied der Leitungskommission für das Lexikon des frühgriechischen Epos.

    Von 1996 bis 2000 war Hettrich stellvertretender Fachgutachter der DFG für historisch- vergleichende Sprachwissenschaft, von 1996 bis 2008 Vorstandsmitglied der Indogermanischen Gesellschaft und Herausgeber der Gesellschaftszeitschrift „Kratylos. Kritisches Berichts- und Rezensionsorgan für Indogermanische und Allgemeine Sprachwissenschaft“. 2008 wurde er zum Ordentlichen Mitglied der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz gewählt.

    Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit sowie zahlreichen Gutachtertätigkeiten für Universitäten und wissenschaftliche Organisationen in europäischen Ländern und den USA hat Hettrich immer wieder die Zeit gefunden, sich in der akademischen Selbstverwaltung der Universität Würzburg zu engagieren: Er war von 1990 bis 1992 und von 1996 bis 1998 Prodekan der Philosophischen Fakultät I, anschließend bis 2000 Dekan und Senator, von 2003 bis 2004 Studiendekan und von 2004 bis 2007 nochmals Dekan. In seiner letzten Amtsperiode war er maßgeblich beteiligt an der Zusammenlegung der Philosophischen Fakultäten I (Altertums- und Kulturwissenschaften) und II (Neuphilologien und Geschichte) sowie der Fakultät für Geowissenschaften zur gemeinsamen neuen Philosophischen Fakultät I.


    Prof. Dr. Otto L. Lange

    Otto Lange studierte ab 1946 Biologie, Chemie und Physik in Göttingen und Freiburg. 1952 promovierte er und 1959 folgte die Habilitation, beides in Göttingen. Ab 1963 war er Professor für forstliche Botanik und technische Mykologie und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Göttingen. Vier Jahre später wurde er Professor am Lehrstuhl für Botanik II und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Würzburg. Hier widmete er sich bis zu seiner Emeritierung 1992 unter anderem der Ökophysiologie von Flechten, der Hitze- und Trockenresistenz sowie dem Wasserhaushalt von Wild- und Kulturpflanzen und der Wirkung anthropogener Luftverunreinigungen.

    Otto Lange war Sprecher der DFG-Forschergruppe „Ökophysiologie“ (1981-1988) und des DFG-Sonderforschungsbereichs 251 „Ökologie, Physiologie und Biochemie pflanzlicher Leistung unter Stress“ (1989-1991), außerdem Gründungs- und Beiratsmitglied der „Bayerischen Forschergruppe Forsttoxikologie“ des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus (1982-1989) und Chairman des „Arid Ecosystems Research Center“ der Hebrew University Jerusalem (1987-1990).

    Für seine herausragende Forschung über Ökosysteme wurden Lange viele Preise und Ehrungen zuteil. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ebenso wie der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Academia Europaea und der Academia Scientiarum et Artium Europaea Salzburg. Hinzu kommen Ehrenmitgliedschaften in der British Lichen Society, der American Academy of Arts and Sciences Boston und der Deutschen Botanischen Gesellschaft.

    Otto Lange hat das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst erhalten, den Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis der DFG, die Acharius-Medaille der International Association of Lichenology und den Eminent Ecologist Award der Ecological Society of America. Die Universität Bayreuth, die Technische Universität Lissabon und die Technische Universität Darmstadt haben ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Bereits 1967 wurde in der Antarktis ein Berg nach ihm benannt: In Anerkennung seiner Forschungen zur Flechten-Ökologie heißt dieser seither „Lange Peak“.


    Prof. Dr. Karl Eduard Linsenmair

    Karl Eduard Linsenmair wurde 1940 in München geboren und studierte in Heidelberg, Freiburg und Frankfurt Zoologie, Botanik, Chemie, Anthropologie und Psychologie. Nach der Promotion 1966 war er DFG-Forschungsstipendiat an der Johann-Wolfgang- Goethe-Universität Frankfurt/Main und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Biologie der Universität Regensburg. Nach der Habilitation 1971 lehrte er in Regensburg, bevor er 1976 den Lehrstuhl für Tierökologie am Zoologischen Institut der Universität Würzburg übernahm.

    In den folgenden Jahren war der Aufbau der Tropenbiologie und der Biodiversitätsforschung nicht nur in Würzburg untrennbar mit seinem Namen verknüpft: Linsenmair hat ganz entscheidend zur Etablierung und Förderung dieser Forschungsgebiete deutschland- und europaweit beigetragen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang unter anderem das von ihm initiierte und koordinierte DFG-Schwerpunktprogramm „Mechanismen der Erhaltung tropischer Diversität“ sowie das European Science Foundation-Programm „Tropical Canopy Research“, das inzwischen auf globaler Ebene ausgeweitet wurde.

    Dass es heute international verbindliche Verpflichtungen zur Biodiversitätsforschung gibt, ist ein Beleg für die Weitsicht und die ausgesprochen erfolgreiche Arbeit von Forschern wie Karl Eduard Linsenmair. Als der seinerzeit einzige Biologe im „Nationalkomitee für Global Change Forschung“ war Linsenmair dort entscheidend an der Entwicklung des Konzepts für das BMBF-Programm BIOLOG-BIOTA beteiligt. In diesem Rahmen leitete er das Programm BIOTA-West, das darauf abzielte, die Erkenntnisse aus der ökologischen Grundlagenforschung für konkrete Problemlösungen auf dem afrikanischen Kontinent einzusetzen. In diesem Projekt war der Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie mit der wissenschaftlichen und der administrativen Koordination von 16 Universitäten und wissenschaftlichen Instituten in Deutschland, Burkina Faso, Benin und Elfenbeinküste betraut.

    Neben den Forschungsarbeiten, die Linsenmair im Rahmen von BIOTA-Süd auch im südlichen Afrika durchführte, ist insbesondere der Aufbau einer im westafrikanischen Raum konkurrenzlosen Feldforschungsstation im Comoé-Nationalpark (Elfenbeinküste) zu nennen. In Afrika und zahlreichen Tropenländern Asiens, Mittel- und Südamerikas konnte sein Lehrstuhl im Lauf der Jahre ausgezeichnete Verbindungen aufbauen, die ganz wesentlich zur hohen Attraktivität des Lehrstuhls für Studierende und Forscher im In- und Ausland und zum hervorragenden Ruf der Würzburger Biologie beigetragen haben.

    Linsenmair wurde 1990 Präsident der Gesellschaft für Tropenökologie, 1997 in die damalige Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen, ein Jahr später in die Academia Europaea, 2004 wurde er Mitglied des Fachkollegiums der DFG für Zoologie. Zu den zahlreichen weiteren Mitgliedschaften zählen die im wissenschaftlichen Beirat und Stiftungsrat des World Wide Fund for Nature (WWF), im wissenschaftlichen Beirat des Senckenberg-Museums Frankfurt und des Naturkundemuseums Berlin sowie der Vorsitz des wissenschaftlichen Beirats im Kuratorium des Zentrums für Marine Tropenökologie in Bremen.

    Die Stiftung Volkswagenwerk finanzierte Linsenmair 1988 ein fünfjähriges Forschungsprojekt im Wettbewerb Biowissenschaften, die Fritz-Thyssen-Stiftung im Jahr 1991 den Bau der genannten ökologischen Forschungsstation im Comoé- Nationalpark. 1996 erhielt Linsenmair den Körberpreis für die Europäische Wissenschaft.


    Prof. Dr. Hans Konrad Müller-Hermelink

    Hans Konrad Müller-Hermelink, 1943 in Tübingen geboren, studierte Medizin in seiner Heimatstadt sowie in Montpellier und Kiel. Nach der Promotion 1970 am Institut für Pathologie in Kiel, der Ausbildung zum Facharzt und der Habilitation im Jahr 1976 wurde er C3-Professor an der Universität Kiel. 1985 erhielt er einen Ruf an die Universität Würzburg und übernahm hier den Lehrstuhl für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie sowie die Leitung des Instituts, die er bis 2009 innehatte.

    In dieser Zeit rief er viele Forschungsinitiativen ins Leben; eine der wichtigsten ist das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung: Müller-Hermelink hatte den Antrag zur Finanzierung maßgeblich vorbereitet und war dann viele Jahre Sprecher des Zentrums. Daneben war der Professor unter anderem Sprecher des Sonderforschungsbereichs 172 „Molekulare Mechanismen der Krebsentstehung“, des Graduiertenkollegs 639 „Molekulare und strukturelle Grundlagen der Tumorinstabilität“ und der Forschergruppe „Altered Transcription in Lymphoid Tumors“ sowie, von 1992 bis 1994, Dekan der Medizinischen Fakultät. Hinzu kommen Aufgaben als Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und der European Association of Hematopathology, als wissenschaftlicher Beirat der Sander-Stiftung, Fachgutachter der DFG und Mitglied des WHO-Nomenklatur-Komitees „Maligne Lymphome und Thymustumoren“. Nach seiner Emeritierung 2009 wurde er Wissenschaftsdirektor der Medizinischen Fakultäten der Universitäten Kiel und Lübeck.

    Müller-Hermelink hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Würzburger Biomedizin heute national und international große Anerkennung genießt, und dass Erkenntnisse aus der experimentellen Forschung möglichst rasch in die klinische Anwendung einfließen konnten. Für seine Leistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet: Er wurde 1988 Ehrenmitglied der Medizinischen Akademie Turin (Italien), 1994 wählte ihn die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu ihrem Mitglied. 1991 erhielt er die James-Gibson-Professorship (Hongkong), 2007 verlieh ihm die Universität Oradea (Rumänien) die Ehrendoktorwürde, 2008 erhielt er den Preis für Translationale Forschung der Deutschen Krebsgesellschaft und 2011 die Rudolf-Virchow-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. 2009 ehrte ihn die European Society of Pathology mit der Symeonidis-Lecture.

    (Fotos: Gunnar Bartsch)

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