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Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie

Seltene Antilopen und schwarze Katzen

08.08.2019

Mit Videofallen hat eine Würzburger Forschungsgruppe auf dem Kilimandscharo zahlreiche große Säugetiere dokumentiert. Für die Artenvielfalt in dieser Tiergruppe sind die geschützten Bereiche des Berges enorm wichtig.

Drei Beispiele der Tierarten, die am Kilimandscharo gefilmt wurden (von links): ein Abbott-Ducker, eine Diadem-Meerkatze und eine schwarze Servalkatze. (Bild: Lehrstuhl für Zoologie III / Universität Würzburg)

In Tansania lebt eine sehr scheue Antilopenart, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Laut Roter Liste ist sie als gefährdet einzustufen. Erst im Jahr 2003 gelang es Forschern, erstmals ein Foto von einer dieser Antilopen zu machen. Wie häufig sie am Kilimandscharo vorkommt, war bis jetzt nicht dokumentiert. Ihr Name: Abbott-Ducker (Cephalophus spadix).

Nun gibt es aber zahlreiche Videos, auf denen die Antilopen zu sehen sind. Aufgenommen wurden die Filmsequenzen von einer Forschungsgruppe der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), die seit Jahren am Kilimandscharo in Sachen Biodiversität forscht. Bei den aktuellen Arbeiten ging es unter anderem um die Frage, wie die Artenvielfalt von größeren Säugetieren durch Klimaveränderungen und Aktivitäten des Menschen beeinflusst wird.

Video mit Tieren des Kilimandscharo auf dem Youtube-Kanal der JMU

„Wir haben den Abbott-Ducker mit unseren Videofallen an elf Standorten in Höhen von 1920 bis 3849 Metern insgesamt 105 Mal erwischt“, sagt Doktorandin Friederike Gebert vom Biozentrum der JMU. „Sogar ein Video von einem Paarungsversuch ist dabei“, freut sich die Wissenschaftlerin. Und das ist nicht die einzige Besonderheit, die nun auf Film gebannt ist.

Zehntausende Videosequenzen ausgewertet

Insgesamt hatte das Team um Professor Ingolf Steffan-Dewenter und Dr. Marcell Peters am Kilimandscharo auf 66 Untersuchungsflächen jeweils fünf Kamerafallen installiert – von der Savanne im Tiefland über die Waldregionen in den mittleren Höhenstufen bis hin zur Buschlandschaft auf bis zu 4550 Meter Höhe. Die Kameras blieben jeweils zwei Wochen vor Ort, dann wurden sie abgeholt und ausgewertet.

80.000 Filmschnipsel hatte Friederike Gebert zu sichten, auf gut 1.600 davon waren tatsächlich auch Säugetiere zu sehen. Darunter fanden sich insgesamt 33 Wildtierarten – neben dem Abbott-Ducker zum Beispiel Busch- und Stachelschweine, Kleinkudus oder Steppenpaviane. Auch Servalkatzen sind dokumentiert. Diese gelb-schwarz gemusterten Raubtiere sind in etwa so groß wie Luchse, aber zierlicher gebaut. Die Videos zeigen auch eine ganz besondere Serval-Variante: ein Tier, dessen Fell komplett schwarz ist.

Schutzgebiete sind wichtig für Biodiversität

Die Ergebnisse der Forschungsgruppe sind ab 14. August 2019 im „Journal of Animal Ecology“ veröffentlicht. „Alles in allem konnten wir zeigen, dass der Artenreichtum bei großen Säugetieren in den mittleren Höhen des Berges, also in den Waldregionen, am größten ist“, sagt Friederike Gebert. Je mehr Pflanzenbiomasse und potenzielle Beutetiere es gibt, umso größer fällt die Biodiversität aus.

„Bei den großen Säugetieren ist die Biodiversität vor allem in Naturschutzgebieten hoch, während sie in nicht geschützten Arealen um 53 Prozent abfällt – und das, obwohl viele der nicht geschützten Flächen noch einen natürlichen Bewuchs besitzen“, sagt Professor Steffan-Dewenter. „Damit unterstreicht unsere Studie, wie wichtig Schutzgebiete für die Aufrechterhaltung der Artenvielfalt bei großen Säugetieren in tropischen Bergregionen sind.“ Die Schutzgebiete am Kilimandscharo zu erhalten und weitere auszuweisen, sei aus Sicht der Wissenschaft ein sehr wünschenswertes Ziel.

“Primary productivity and habitat protection predict elevational species richness and community biomass of large mammals on Mt. Kilimanjaro”, Friederike Gebert, Henry K. Njovu, Anna C. Treydte, Ingolf Steffan-Dewenter, Marcell K. Peters, Journal of Animal Ecology, 14. August 2019, DOI: 10.1111/1365-2656.13074

Kooperationspartner und Förderer

Diese Ergebnisse sind in einer Kooperation der Universität Würzburg mit der Nelson Mandela African Institution of Science and Technology (Arusha, Tansania) und dem College of African Wildlife Management (Mweka, Tansania) entstanden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Arbeiten im Rahmen der DFG-Forschergruppe 1246 (Kilimanjaro Ecosystems Under Global Change: Linking biodiversity, biotic interactions and biogeochemical ecosystem processes – Sprecher: Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter) gefördert. Finanzielle Unterstützung kam auch vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, DAAD.

Weblinks

Bericht über die Würzburger Kilimandscharo-Forschung in „The Scientist“

DFG-Forschergruppe Kilimandscharo


Kontakt

Friederike Gebert, Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) der Universität Würzburg, T +49 931 31-81997, friederike.gebert@uni-wuerzburg.de

Von Robert Emmerich / Kristian Lozina

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