Chair of Biochemistry

Röntgenpreis für Dr. Merle Röhr

21.11.2023

Für ihre herausragenden Leistungen erhält Dr. Merle Röhr den Röntgenpreis der Universität und des Universitätsbundes Würzburg. Sie forscht im Bereich der Solartechnologien.

Röntgenpreisträgerin Merle Röhr (Mitte) mit ihrem Laudator Frank Würthner und Univizepräsidentin Caroline Kisker.
Röntgenpreisträgerin Merle Röhr (Mitte) mit ihrem Laudator Frank Würthner und Univizepräsidentin Caroline Kisker. (Bild: Heiko Becker / Universitätsbund Würzburg)

Dr. Merle Röhr leitet eine Nachwuchsgruppe am Zentrum für Nanosystemchemie der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Hier hat sie mit quantenchemischen Methoden wichtige Erkenntnisse gewonnen, die für die Entwicklung organischer Solarzellen dienen können.

Objekt ihrer Forschung ist die Struktur der sogenannten Antennen-Aggregate, die an der bakteriellen Photosynthese beteiligt sind. Diese Aggregate können die Energie des Sonnenlichts mit einer außergewöhnlichen Effizienz einsammeln. Förderung für diese Arbeiten erhielt die Forscherin aus dem Klaus-Tschira Boost Fund.

Von Merle Röhr stammen auch neue Erkenntnisse über die Energieumwandlungsprozesse, die in synthetischen Nanosystemen ablaufen. Solche Systeme bestehen aus gezielt arrangierten Farbstoffmolekülen. Mit ihnen wird versucht, eine „künstliche Photosynthese“ zu erreichen. Damit könnte man direkt aus der Energie des Sonnenlichts Brennstoffe wie Wasserstoff erzeugen – ohne den Umweg über elektrischen Strom.

Für ihre wissenschaftlichen Erfolge und für ihre vorbildhafte Karriere wurde Merle Röhr (37) nun mit dem Röntgenpreis der JMU und des Universitätsbundes Würzburg ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird jährlich an herausragende Nachwuchsforschende der JMU verliehen.

Die Preisträgerin bekam die Auszeichnung beim Festkonzert des Unibundes am 15. November 2023 in der Neubaukirche überreicht. Die Laudatio hielt Professor Frank Würthner, Leiter des Zentrums für Nanosystemchemie und des Lehrstuhls für Organische Chemie II.

2013 von Berlin nach Würzburg gekommen

Merle Röhr, Jahrgang 1986, stammt aus Oldenburg in Niedersachsen. Sie studierte Chemie und der Physik an der Humboldt-Universität in Berlin und schloss 2016 ihre Promotion an der Freien Universität Berlin im Fach Theoretische Physik ab. Schon 2013 wechselte sie aber an die JMU.

Die meisten ihrer 33 Publikationen sind in Würzburg entstanden. An der Universität hat sie sich vielseitig engagiert, etwa als Sprecherin des Jungchemikerforums oder als Organisatorin des 2016 etablierten Young Investigator Seminars am Zentrum für Nanosystemchemie. Außerdem ist sie eine begehrte Kooperationspartnerin in zahlreichen Projekten der Fakultät, in denen experimentell Forschende Hilfe bei der Interpretation ihrer Ergebnisse mit quantenchemischen Methoden brauchen.

„Funktionslandschaften“ als innovativer Ansatz

„Darum war im Jahr 2018 die Entscheidung der Fakultät schnell getroffen, welche Nachwuchswissenschaftlerin aus dem Emil-Hilb-Programm der JMU gefördert werden sollte, um sich ein eigenständiges Forschungsprofil zu erarbeiten“, so Frank Würthner in der Laudatio. Und das sei Merle Röhr auch schnell gelungen.

Konzeptionell besonders bedeutend sei ein in ihrem Habilitationsprojekt beschrittener innovativer Ansatz zu sogenannten „Funktionslandschaften“. Dabei entwickelt und verwendet die Wissenschaftlerin KI-basierte Algorithmen und quantenchemische Methoden, um vorherzusagen, welche Farbstoff-Aggregate für die Solartechnologie funktional besonders interessant sein müssten.

Mit den von Merle Röhr vorgeschlagenen Strukturen arbeiten in der Würzburger Chemie aktuell mehrere Gruppen, die sich im bayerischen Forschungsnetzwerk „Solar Technologies go hybrid“ mit der Umwandlung von Sonnenenergie in andere Energieformen beschäftigen.

„Merle Röhr steht nach vier Jahren eigenständiger Forschung kurz vor dem Abschluss ihrer Habilitation im Fach Theoretische Chemie. Das verdient umso größeren Respekt, wenn man bedenkt, dass sie in dieser Zeit zwei Kinder zur Welt gebracht hat, die zusammen mit den ganzen Problemen der Corona-Pandemie eine junge Mutter sehr beschäftigt haben dürften“, so Würthner.

Kontakt

Dr. Merle Röhr, Zentrum für Nanosystemchemie, Universität Würzburg, merle.roehr@uni-wuerzburg.de

Webseite von Merle Röhr

Von Robert Emmerich

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