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Lehrstuhl für Biochemie II

Paper veröffentlicht: Review zu Masspektrometrie für die Mitostasis-Forschung

15.06.2026

Unser Team hat in einem neuen Review-Artikel die Rolle der Massenspektrometrie bei der Untersuchung der mitochondrialen Qualitätskontrolle beleuchtet.

Die Bedeutung der Mitostase

Mitochondrien sind für die Zelle unverzichtbar: Sie steuern die Energieproduktion, die Biosynthese von Lipiden und Aminosäuren sowie das zelluläre Signaling. Damit diese Funktionen stabil bleiben, muss die Zelle ein präzises Gleichgewicht aufrechterhalten – die sogenannte Mitostase. Ein komplexes Netzwerk aus Chaperonen, Proteasen und dem Ubiquitin-Proteasom-System sorgt dafür, dass mitochondriale Proteine korrekt importiert, gefaltet und abgebaut werden. Störungen in diesem System, etwa durch Defekte im Proteinimport, führen zu proteotoxischem Stress und sind Ursache für viele menschliche Krankheiten.

Massenspektrometrie als Schlüsseltechnologie

In der aktuellen Übersichtsarbeit beschreiben wir, warum die massenspektrometrische (MS) Proteomik ein wichtiges Werkzeug ist, um diese Prozesse auf einer systemweiten Ebene zu verstehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Methoden ermöglicht die MS eine systematische und quantitative Analyse der Proteinhäufigkeit, Lokalisation, Interaktion und Dynamik fast des gesamten Proteoms.

Der Artikel gibt einen Überblick über moderne Ansätze der Massenspektrometrie:

  • Quantitative Strategien: (z. B. Label-free oder metabolische Markierung) zur Verfolgung von Proteom-Veränderungen unter Stress.
  • Räumliche Analyse: Methoden wie Affinity Purification-MS, Proximity Labeling und Complexome Profiling zur Entschlüsselung der Organisation von Chaperon-Netzwerken.
  • Dynamische Proteomik: Strategien zur Analyse naszierender (neu entstehender) Proteinketten, um schnelle regulatorische Antworten der Zelle zu erfassen.

Über die Arbeit

In diesem Review präsentiert das Team um die Erstautorin Lakshita Sharma, gemeinsam mit Sristi Chakroborty und Hirak Das im Labor von Prof. Bettina Warscheid, den aktuellen Stand der Technik. Durch die intensive praktische Arbeit unserer Gruppe mit zeitaufgelösten quantitativen Techniken konnten die Autoren ihre fundierte Expertise direkt in die methodische Diskussion einfließen lassen.

 

Referenz: Sharma, L., Chakroborty, S., Das, H., Oeljeklaus, S., Bender, J., & Warscheid, B. (2026). Mass spectrometry proteomics for studying mitostasis. https://doi.org/10.1002/pro.70673