Was schwirrt wann durch die Nacht – Studie beleuchtet die Aktivitätszeiten heimischer Nachtfalter
12.02.2026Neue Studie untersucht wichtige Zeitpunkte der Flugaktivität von Nachtfalter.
Im Zuge der Debatte um die Biodiversitätskrise wurden viele Menschen aufmerksam auf das Verschwinden von z.B. Tagfaltern und Bienen. Weit weniger bekannt ist die Diversität heimischer nachtaktiver Insekten, wie z.B. Nachtfalter. Dabei ist der Großteil der heimischen Schmetterlingsarten den Nachtfaltern zuzuordnen (in Deutschland gibt es nur rund 200 Tagfalterarten, aber dafür über 1000 Nachtfalterarten). Nachtfalter leisten einen wichtigen Beitrag zu Ökosystemfunktionen wie der Bestäubung von Pflanzen. Zugleich sind sie nicht nur durch Stressoren wie Landnutzungsänderungen und Klimawandel bedroht, sondern werden auch durch Lichtverschmutzung beeinflusst. Allein in Deutschland gelten im Moment rund 30% der Nachtfalterarten als bedroht.
Nachtfalter und phototaktisches Verhalten
Nächtliche Lichter können Nachtfalter beeinflussen, weil viele nachtaktive Insekten positiv phototaktisches Verhalten zeigen, d.h. die Tiere neigen dazu von Lichtquellen angezogen zu werden. Es wird vermutet, dass dies daran liegt, weil viele Nachtfalter Himmelskörper wie den Mond als Orientierungspunkt nutzen. Künstliche Lichtquellen werden hier mit dem großen, leuchtenden Himmelskörper verwechselt, sodass die Tiere unentwegt um die künstliche Lichtquelle kreisen. Das Resultat ist ein signifikanter Fitnessverlust, da die Tiere viel Energie und Zeit beim (ziellosen) Umherfliegen verbrauchen, die sie andernfalls zur Nahrungs- und Partnersuche hätten verwenden können. Um die negativen Effekte der Lichtverschmutzung auf Nachtfalter besser zu verstehen, ist es wichtig herauszufinden, wann genau Nachtfalter aktiv sind. Während dieser Aktivitätszeiten sollte besonders darauf geachtet werden, die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Für Forscher die Nachtfaltern analysieren, ist es wiederum wichtig, genau diese Aktivitätszeiten mit ihrer Datenaufnahme abzudecken. Gerade automatisierte Nachtfallen sollten also eine Mindestlaufzeit haben, welche die Hauptaktivitätszeit der Nachtfalter abdeckt. Doch wann genau ist diese „Hauptaktivitätszeit“? Dieser Frage ist Johannes Köhler in seiner Zulassungsarbeit nachgegangen.
Analyse im Botanischen Garten Würzburg
Insgesamt fünf Mal wurde eine manuelle Lichtfalle im botanischen Garten Würzburg im Sommer 2022 aufgestellt. Herr Köhler beobachtete den Anflug von Nachtfaltern von Beginn der Dämmerung bis zum Morgengrauen. Die genauen Ankunftszeiten aller ankommenden Nachtfalter wurden notiert. Das Ergebnis: Die meisten Individuen und Arten kommen zwischen 22:30 und 23:30 Uhr ans Licht. 90% aller ankommenden Arten wurden aber erst gegen 2:30 – 3:00 Uhr nachts nachgewiesen. Diese Ergebnisse beziehen sich jedoch nur auf das Anflugverhalten von Nachtfaltern in warmen Sommernächten. Zu anderen Jahreszeiten könnte das Anflugverhalten sich deutlich unterscheiden, da abiotische Faktoren wie z.B. die Temperatur eine große Rolle bei der Aktivität exothermer Organismen spielen. Im Untersuchungszeitraum wurden auch die nächtlichen Temperaturen kontinuierlich notiert, mit dem Ergebnis, dass sich der Anflug der Nachtfalter deutlich reduzierte, wenn die Temperatur unter 12°C fiel. Dies scheint der Schwellenwert für die Aktivität sommeraktiver Nachtfalter zu sein.
Implikationen aus den gewonnenen Ergebnissen
Für Nachtfalter wäre es besonders wichtig, künstliche Lichtquellen vor allem zwischen 22:30 und 23:30 Uhr zu reduzieren. Abermals muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass dies nur für Nachtfaltergemeinschaften im Hochsommer zutrifft. Wünschenswert wäre natürlich eine generelle Reduktion um nicht nur die negativen Effekte auf Nachtfalter, sondern auch auf andere Organismen zu vermeiden. In der Literatur werden drei Wege diskutiert, mit welchen die negativen Effekte der Lichtverschmutzung auf nachtaktive Insekten vermindert werden könnten:
1. Die Reduzierung nächtlicher Lichtquellen, z.B. durch das Anbringen von Bewegungssensoren, sodass Wege nur dann beleuchtet werden, wenn auch tatsächlich jemand den Weg nutzen möchte. Auch das Dimmen vorhandener Lichtquellen kann bereits helfen.
2. Das Anpassen der Lichtspektren mit einer Verschiebung zu Spektren, die weniger attraktiv für nachtaktive Insekten ist. Viele Insekten reagieren v.a. auf Licht im kurzwelligen Bereich. Durch die Vermeidung solcher Lichtspektren kann der Anflug an nächtliche Lichtquellen deutlich reduziert werden.
3. Abschirmen der Lichtquellen um nur die relevanten Bereiche zu beleuchten. Bei Straßenlaternen würde eine Abstrahlung in Richtung des Bodens genügen. Die Lichtabstrahlung z.B. nach oben könnte abgeschirmt werden um so den Effekt auf nachtaktive Insekten zu reduzieren.
Bei ökologischen Analysen hingegen sollte darauf geachtet werden, dass Leuchtfallen mindestens bis 3:00 Uhr nachts aktiv sind. Auf diese Weise gewonnene Samples sollten 90% der zu erwartenden Artengemeinschaft abbilden können. In Nächten, in denen die Temperaturen früher unter 12°C fallen kann davon ausgegangen werden, dass der Hauptanflug der Falter früher endet. Zur Überprüfung dieser Theorie sind jedoch weitere Studien zu anderen Jahreszeiten (z.B. im Frühjahr und Herbst) notwendig.
Link zur kompletten Studie: https://resjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/een.70012




