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Lehrstuhl für Global Change Ecology

Der Wettlauf um kühlere Lebensräume: Schmetterlinge weichen dem Klimawandel aus, statt sich anzupassen

29.07.2026 |

Schmetterlinge passen sich steigenden Temperaturen offenbar nicht an – sie weichen ihnen aus. Neue Forschung aus den Bayerischen Alpen zeigt, dass ihre thermischen Eigenschaften kaum veränderbar sind und viele Arten deshalb in höhere Lagen ausweichen.

Der Klimawandel stellt eine immer größere Bedrohung für die globale Biodiversität dar. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie Arten Veränderungen der Umgebungstemperatur wahrnehmen, abpuffern und tolerieren. Häufig wird jedoch angenommen, dass die heute beobachteten Reaktionen auch künftig unverändert bestehen bleiben. Tatsächlich sind Arten keine statischen Organismen – sie können durch phänotypische Plastizität oder evolutionäre Anpassung auf Umweltveränderungen reagieren. Ohne zu wissen, welche Merkmale sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen können und welche nicht, besteht die Gefahr, die Anfälligkeit von Arten gegenüber dem Klimawandel zu unterschätzen.

Im vergangenen Sommer untersuchte Dr. Esme Ashe-Jepson in den Bayerischen Alpen, ob sich die Fähigkeit von Schmetterlingen, Umgebungstemperaturen zu regulieren (Thermoregulation) oder Temperaturschwankungen zu tolerieren (Thermotoleranz), in Abhängigkeit von lokalen Umweltbedingungen wie der Höhenlage verändert. Die Ergebnisse zeigten keine Hinweise darauf, dass sich diese Eigenschaften entlang des Höhengradienten verändern. Vielmehr scheinen Thermoregulation und Thermotoleranz artspezifische Merkmale zu sein, die nur ein geringes Anpassungspotenzial besitzen.

Diese eingeschränkte Flexibilität erklärt auch die Zusammensetzung der Schmetterlingsgemeinschaften entlang von Höhengradienten. In höheren Lagen, in denen kühlere Bedingungen herrschen, kommen häufiger kleinere und dunklere Arten vor, die sich besonders schnell erwärmen können. In tieferen Lagen dominieren dagegen größere und hellere Arten, deren Körpertemperatur sich langsamer verändert.

Was bedeutet das für den Klimawandel? Wenn Schmetterlinge ihre Thermoregulation oder Thermotoleranz nicht an steigende Temperaturen anpassen können, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, ihr Verbreitungsgebiet zu verlagern und dem sich erwärmenden Klima zu folgen. Dr. Ashe-Jepson konnte zeigen, dass Arten mit einer geringeren Fähigkeit zur Thermoregulation ihre Verbreitungsgebiete besonders stark in höhere Lagen verschieben. Anstatt sich an die zunehmend wärmeren Bedingungen in ihrem ursprünglichen Lebensraum anzupassen, wandern sie die Berge hinauf, um kühlere Lebensräume zu erreichen.