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Biozentrum der Universität Würzburg

Trees4Adapt: Bäume gegen den Klimawandel

20.01.2026

Klimawandel und Biodiversitätsverlust zählen zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Mit Trees4Adapt startet die Europäische Union ein Projekt, um diese Krisen anzugehen – mit der Universität Würzburg als Partnerin.

Richtig umgesetzt können Wälder ein mächtiges Mittel gegen den Klimawandel sein.
Richtig umgesetzt können Wälder ein mächtiges Mittel gegen den Klimawandel sein. (Bild: Peter Widmann / AdobeStock)

Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind eng miteinander verknüpft und erzeugen komplexe Risiken, die Ökosysteme, menschliches Wohlergehen und die Wirtschaft bedrohen. In bisherigen Entscheidungsprozessen und Landnutzungsplanungen wird diese Wechselwirkung oft nicht ausreichend berücksichtigt – Anpassungsstrategien sind in ihrer Wirkung deshalb eingeschränkt. 

Um das zu ändern, hat die Europäische Union das Projekt “Trees4Adapt – Addressing complex risks from climate change and biodiversity loss across systems and scales: Leveraging the potential of tree-based solutions for adaptation in Europe” ins Leben gerufen. Das Horizon-Europe-Projekt wird im Rahmen der Mission Anpassung an den Klimawandel gefördert.  

Trees4Adapt startete im Oktober 2025, läuft über vier Jahre und vereint zwölf Partner aus ganz Europa – darunter auch die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Koordiniert wird das Projekt vom Natural Resources Institute Finland (Luke); das Gesamtbudget beträgt 4 Millionen Euro.  

Ziel des Projekts ist es, das die kombinierten Risiken durch Klimawandel und Biodiversitätsverlust besser zu verstehen und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bei der Konzeption und Umsetzung naturbasierter, baumgestützter Lösungen („tree-based solutions“) zu unterstützen. Diese Lösungen sollen Resilienz stärken, Biodiversität erhalten und wiederherstellen sowie fehlerhafte Anpassungen vermeiden. 

„Schadensbegrenzung allein wird uns nicht schnell genug helfen – jetzt ist die Zeit für Anpassung“, sagte Prisca Haemers, Policy Officer der Mission Anpassung an den Klimawandel, beim Kick-off-Meeting des Projekts. „Projekte wie Trees4Adapt sind entscheidend, um Europas Widerstandsfähigkeit zu beschleunigen, und müssen innerhalb des Netzwerks der Mission zusammenarbeiten, um ihre Wirkung voll zu entfalten.“ 

Projekte von Finnland bis Portugal 

Trees4Adapt verbindet aktuelle Forschung mit praxisnahen Lösungsansätzen. Auf der Grundlage langjähriger europäischer Forschungsplattformen untersucht das Projekt, wie unterschiedliche Baumarten und Artenmischungen vielfältige Vorteile liefern können – etwa durch die Pufferung von Mikroklimata und die Stärkung von Ökosystemen. Darüber hinaus bewertet das Projekt die wirtschaftliche Tragfähigkeit baumgestützter Lösungen mithilfe bioökonomischer und räumlicher Modellierungen und entwickelt Szenarien, die aufzeigen, wie unterschiedliche Entscheidungen zukünftige Landschaften prägen könnten. 

Konkret setzt Trees4Adapt auf fünf Arbeitspakete. Eines davon leitet die Würzburger Biologin Dr. Sarah Redlich. Die Arbeit ihres Teams baut auf Fallstudien aus drei europäischen Regionen auf, die unterschiedliche Biome repräsentieren.  

„Naturbasierte, baumgestützte Lösungen werden oft als Wunderwaffe gegen den Klimawandel und den Verlust biologischer Vielfalt dargestellt. Dabei werden in der Umsetzung jedoch oft lokale Bedingungen und die Prioritäten der betroffenen Interessengruppen vernachlässigt, was negative soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen haben kann“, beschreibt Sarah Redlich die Motivation für die drei Fallstudien in Portugal, Deutschland und Finnland. „Wir verwenden einen ortsbezogenen, systemischen Ansatz, um zu bewerten, inwieweit baumgestützte Lösungen lokale Risiken reduzieren und somit einen Mehrwert für die Anpassung an den Klimawandel, den Naturschutz und die Gesellschaft schaffen können.“ 

In den borealen Wäldern Finnlands bauen die Forschenden auf einzigartigen Experimenten zur Walddiversität auf, um zu untersuchen, wie eine höhere Arten- und genetische Vielfalt die Resilienz von Aufforstungslandschaften verbessern kann. In Deutschland liegt der Fokus auf Agroforst-Netzwerken und darauf, wie die Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Systeme die Biodiversität fördern und die Landwirtschaft unterstützen kann. In Portugal untersucht die Fallstudie mediterrane Landschaften nach Waldbränden und geht der Frage nach, ob eine größere Baumartenvielfalt die Ausbreitung von Bränden verlangsamen und die Regeneration beschleunigen kann. Von Beginn an arbeitet Trees4Adapt eng mit lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie mit Institutionen auf EU-Ebene zusammen, um gemeinsam praxisnahe und anwendungsreife Lösungen zu entwickeln. 

Projektauftakt in Helsinki 

Zum Start des Projekt trafen sich die Mitglieder des Konsortiums im November in Finnlands Hauptstadt Helsinki. Das zweitägige Treffen diente der Festlegung gemeinsamer Prioritäten und der Entwicklung von Strategien zur Maximierung der Wirkung des Projekts.  

An diesen gelungenen Auftakt anschließend reiste ein Teil des Konsortiums nach Westfinnland, um das Baumarten-Diversitätsexperiment in Satakunta zu besuchen. Dieses ist ein zentraler Bestandteil der finnischen Fallstudie und eines der weltweit ersten Experimente dieser Art. Die vor 26 Jahren an mehreren Standorten in Satakunta von Forschenden der Universität Turku eingerichtete Langzeitforschungsplattform liefert einzigartige Erkenntnisse darüber, wie Baumartenvielfalt die Widerstandsfähigkeit von Wäldern beeinflusst.  

Der Besuch schaffte außerdem eine Blaupause für die geplante Einbindung lokaler Akteurinnen und Akteure. Der Austausch mit verschiedenen Interessensgruppen brachte eine klare Botschaft hervor: „Weniger reden, mehr handeln – wir brauchen Ergebnisse, die konkrete Veränderungen anstoßen.“ 

Förderhinweis 

Gefördert durch die Europäische Union im Rahmen des Programms Horizon Europe, Fördervereinbarung Nr. 101213184 (Trees4Adapt). Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die Auffassung der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA) wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden. 

Von Trees4Adapt / Lutz Ziegler

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